Kopfstoss.FM 30 - Naziterror in Leipzig und der BGH

25.10.09, 18:56:20 von Kopfstoss
Der Bundesgerichtshof wird am 30.10. sein Urteil verkünden, wieviel Tatverdacht nötig ist, damit ein bundesweites Stadionverbot noch rechtmäßig ist. Ein Bayern-Fan der Schickeria hatte Klage eingereicht, weil der MSV Duisburg ein bundesweites Stadionverbot aufrecht erhielt, obwohl das Strafverfahren wegen mangelndem Tatverdacht eingestellt wurde.
Außerdem blicken wir nach Leipzig. Wieder einmal haben rechtsextreme Schläger und Anhänger von Lok Leipzig Fans der BSG Chemie angegriffen. Nach Überfällen auf Weihnachts- und Mannschaftsfeiern fuhren sie diesmal mit einem Auto in eine Menschengruppe. Der allgemeine Fokus bewegt sich zwischen Solidarität mit den Opfern und der Frage nach gesellschaftlichen Hintergründen für die Zunahme der immer brutaler werdender Übergriffe von Neonazis beim Fussball. - Und natürlich wie immer, rücken wir auch in der 30. Ausgabe von Kopfstoss.FM die Rolle der Polizei stärker in den Mittelpunkt der Betrachtung.

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  1. Connewitzer sagt:
    Soll das jetzt der Artikel zu der Nazi-Attacke in Brandis sein, oder ist das vom RSL nur falsch verlinkt worden?
    Bitte um Aufklärung.
  2. peter sagt:
    Brandis Nazikaff, die letzten Jahre?


    Der Überfall auf den Roten Stern Leipzig (RSL) ist der traurige Höhepunkte rechter Aktivitäten in der Kleinstadt Brandis. Da ich selbst mehrere Jahre in Brandis gelebt habe und zu einer extrem kleinen Gruppe alternativer Jugendlicher gehörte, kann ich von ständiger Bedrohung und Verfolgung durch Neonazis berichten.
    Die Nazis hatten am Markt 4 einen eigenen Jugendclub, der jedes Wochenende Rechtsradikale aus den umliegenden Dörfern anzog. Nachts sind die Nazis dann ?Streife? gefahren, um ihre vermeintlichen Gegner zu jagen. Deswegen war es für uns und andere nicht rechte Jugendliche oft an Wochenenden nicht möglich, uns in Ruhe draußen zu treffen ohne dabei von Nazis durch die Stadt gehetzt zu werden. Als der Mietvertrag für den Club den der Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM)an für die Rechtextremisten mietet wurde, auslief, sollten diese den Treff räumen, bekamen jedoch sofort die Möglichkeit neue Räume vom CVJM gestellt zu bekommen. Hierbei möchte ich erwähnen, dass unsere Beschwerden an den CVJM hinsichtlich der rechtsextremen Umtriebe, nicht ernst genommen wurden und wir mit Worten wie ?Das sind doch ganz normale nette Jungs, ich kenn doch die Mutter von dem und dem, die arbeitet doch bei der Stadt, die würden doch nicht..? abgespeist wurden. Besonders lachhaft war es, als man uns seitens des CVJMs versichern wollte, dass dies gar kein Nazi-Treff sei und wir doch da auch hingehen könnten.. Selbst als wir Informationen hatten, dass die Nazis ihren Club nicht friedfertig räumen würden, mussten wir uns von Herrn K., einem Mitverantwortlichen vom CVJM anhören, dass er versichere, dass die Jungs doch ganz brav gehen werden. Am Abend der Räumung wurde eine Abrissparty mit Feuer und Randale gefeiert und die eintreffenden Polizeikräfte von Nazis angegriffen. Es gab Festnahmen, die LVZ berichtete.
    Außerdem gab es in diesem Zeitraum in Brandis einen Überfall auf einen schlafenden Obdachlosen, der dabei schwer verletzt wurde. Die anscheinend überforderte Polizei von Brandis, konnte den Täter nicht ermitteln, es wäre aber durchaus denkbar, dass der Täter, aus der rechten Szene stammt.
    Als ein Bekleidungsgeschäft, deren Inhaber offenbar nicht aus Deutschland stammten, am Brandiser Markt öffnete, wurde dieses anfangs mit Ketchup blutähnlich beschmiert, später mit Eiern beworfen und zuletzt wurden die Scheiben eingeschlagen.
    Massiv NPD-Plakate zu Wahlzeiten und Naziaufkleber sowie Nazis, die in Gaststätten, entscheiden wer dort Gast sein darf und wer nicht, gehören ebenso zu Brandis wie Dorffeste, auf denen Eingeborene und Zugezogene fröhlich mit den Nazis zusammen feiern. Man toleriert sich.
    Die bisher beschriebenen Geschehnisse ließen sich sicherlich noch ähnlich weiter fortsetzen, dies sind nur einige Punkte, die mir spontan einfielen, als ich vom Überfall auf den Roten Stern Leipzig hörte, außerdem habe ich mit der Stadt schon seit einigen Jahren so gut wie gar nichts mehr zu tun, hörte jedoch, dass sich die Situation nicht gebessert sondern eher verschlechtert hat .Besonders in den Vereinen.
    Vor allem zu erwähnen ist die Arbeit des CVJMs der durch die Bereitstellung von Clubs und Räumen die Attraktivität der rechten Szene bei anderen Jugendlichen steigerte. Ich hoffe sehr, dass durch die aktuellen Ereignisse einigen Leuten im CVJM, in den Vereinen und in Brandis allgemein, die Augen geöffnet wurden und sie sich ihre Mitglieder auch mal genauer angucken.

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